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Archiv für September, 2012

Gore-Tex Transalpinerun 2012

Wie fängt man jetzt so einen Erlebnisbericht an? Vielleicht einfach mal mit dem Wichtigsten vorneweg: Es war einfach nur traumhaft, klasse, sensationell, toll, unbeschreiblich beeindruckend. Obwohl nun schon drei Tage vergangen sind könnte ich immer noch mit Superlativen um mich werfen. In meiner sportlichen Vita habe ich ja schon so einige Höhepunkte erlebt. Der Transalpine war aber anders, als alles bisher vollbrachte.

Los ging s am Freitag dem 31.08. mit der Anreise nach Ruhpolding. Stefan Schlett und ich fuhren gemeinsam mit Mario Höllstin und Michael Schillinger   zur Abholung der „Startunterlagen“. Bereits dort zeigte sich die Professionalität der Organisation durch den Veranstalters „Plan B„. Neben der obligatorischen Startnummer und diversen „Goodies“ gab es eine riesige 130Liter fassende Salomon Reisetasche (wasserdicht und mit Rucksacktragegurten).  In der hatte mein komplettes Gepäck Platz. Beschriftet war jede Tasche mit der Startnummer, in meinem Fall die 264/2. Dadurch wußte man immer welche Tasche die deine war. Die Verbringung der Taschen von einem zu andern Etappenort war fast immer gleich. Da die meisten Etappen morgens um 08:00 Uhr gestartet wurden hatten die Taschen fertig gepackt um 06:30 Uhr in der Lobby deines Hotels zu stehen. Irgendwann kam dann ein Shuttlebus, holte die Taschen, und wenn Du dann ca. 10 Stunden später in deiner nächsten Unterkunft ankamst, wartete dein Gepäck schon.

Mein Gepäck hatte es da, im Gegensatz zu mir, sehr viel einfacher dorthin zu kommen. Der Tagesablauf stellte sich für uns Teilnehmer in etwa so dar: Da sich Stefan morgens in aller Ruhe vorbereiten wollte, klingelte unser Wecker in der Regel um 05:00 Uhr. Frühstück ab 06.00 Uhr. Da haben wir dann schon mal kräftig „getankt“ wollten doch die nächsten  6 – 8 Stunden zu Fuß zurückgelegt werden. Zwischen 07:15 Uhr und 07.45 trafen wir dann im Ziel/Startareal ein. Kurzer Smalltalk mit Helmut, Jürgen, Mario und Michi, Flaschen und Gel auffüllen (Gel gab s nicht in Beuteln sondern in einer 10 Liter Kanne mit Spender, jeder Teilnehmer bekam ein Gelfläschchen und so wurde massiv an Müll gespart…) wenn nötig kurzer Besuch im Rescue-Bereich zum tapen und ab in den Startblock. Kurz vorm Start versetzte uns dann AC/DC mit Highway to Hell in die richtige Stimmung und pünktlich um 08:00 Uhr gingen dann nach und nach ca. 600 grinsende Bergziegen auf ihre tägliche Reise.

Da ich keine Ahnung hatte wie ich einen 8tägigen Etappenlauf verdauen würde, gingen Stefan und ich das Rennen erst mal sehr verhalten an. Die Atmosphäre im hinteren Teil des Feldes war dann auch dementsprechend entspannt. Anhand der Flaggen auf den Startnummern konnte man die Teilnehmer/innen recht schnell der passenden Nationalität zuordnen. OK, da gab s dann auch schon mal einen Hösbacher „Spanier“. Seit 20 Jahren ausgewandert…Neben der sportlichen Ertüchtigung, konnte man so ganz nebenbei seine Englisch Sprachkenntnisse wieder aufbessern. Und gleichzeitig überprüfen wie es um die sprachlichen Fähigkeiten von Spaniern, Holländern, Südafrikanern, Brasilianern, Portugiesen oder Italienern bestellt ist. Insgesamt waren 33 Nationen am Start, wobei nach den Deutschen die Spanier mit rund 100 Teilnehmern am stärksten vertreten waren.

Auf jeder Etappe gab es immer mindestens 3 Verpflegungsstellen. Dort gab es alles was das Ausdauerherz begehrt. Von warmem Tee und Suppe, Wasser, Iso, Gel, gesalzenen Tomaten, Gurken, Käse, Salami, Brot, Bananen, Melonen, Orangen, Kuchen, Nüsse, Trockenobst bis zum Energieriegel, konnte da jeder so seinen Vorlieben frönen.

Zum Rennen:

Wer die genauen Streckenverläufe und Daten sehen will schaut am Besten hier.

Etappe 1: Da die erste Etappe gleichzeitig die längste darstellte und für mich erstmals mit 49,6 km die Marathondistanz überschritten wurde sind wir erst mal locker losgetrabt. Nach ersten bleibenden Eindrücken und müden Beinen waren wir 07:46 h später im Ziel in St. Johann. Damit waren wir in unserer Wertungsklasse (Master Men 80 – 100 Jahre) auf Platz 64 von 79 Teams. Im Ziel in Sexten hatten wir uns dann bis auf Platz 43 vorgearbeitet. Allerdings haben es auch nur 49 in unserer Klasse geschafft…

Etappe 2: Im Vorfeld machte diese Etappe den Eindruck sich erst mal erholen zu können. Mit knapp 33km stand ja schließlich die kürzeste Etappe der Tour an. Allerdings stellte sich der Klettertrail als anspruchsvoller dar, als wir erwarten konnten. Direkt nach dem Start in St. Johann führt die Route extrem steil und teilweise exponiert auf den Wilden-Kaiser-Steig und in einem permanenten Wechsel von steilen Auf- und Abstiegen bis zur Gaudeamus Hütte unterhalb der Südwände der Kaisergipfel. Von dort sieht man bereits den nächsten langen Aufstieg auf den Astberg oberhalb von Going, über den zuerst Reith und danach das Etappenziel Kitzbühel erreicht wurde.

Etappe 3: Bei der „Königsetappe“ mit insgesamt 2258 Höhenmetern im Aufstieg und nicht weniger herausfordernden 2147 Höhenmetern im Abstieg bewies unser Streckenchef Wolfgang „Wolfi“  Pohl  einmal mehr sein Händchen für atemberaubende Strecken. Als staatlich geprüfter Bergführer zeigte er auch als Moderator jeden Abend seine Professionalität beim Streckenbriefing, und gab uns neben den zu erwarteten Wetter/Temperaturprognosen immer auch schon mal einen Hinweis auf die anstehenden Highlights der Etappe. Dort erwarteten uns der Aufstieg zum Hahnenkamm über die berüchtigte Streif und ein Ausblick auf die Venedigergruppe.

Etappe 4: Am vierten Tag ging`s über den Alpenhauptkamm der Tauern mit der 2667 Meter hohen Birnlücke über den höchsten Punkt des Gore-Tex® Transalpine-Runs 2012. Da hatten wir dann auch wenigstens mal ein bisschen Schnee.

Etappe 5: Geil

Da sich meine Muskeln mittlerweile an die Belastung gewöhnt hatten ließ ich es auf dieser Etappe beim Bergab Laufen mal so richtig rollen. Machte einen Heidenspaß bescherte mit allerdings auch einen blutunterlaufenen großen Zehennagel. Den ließ ich mir tags drauf vorm Start vom sehr freundlichen Rescue Team anbohren und als mein Nagelbett dann genauso entspannt wie ich war gings auch wieder deutlich besser…(Bilder erspar ich euch)

Etappe 6: Bei dieser Etappe von Sand nach St. Vigil konnten wir vom Kronplatz aus das erste Mal einen Blick auf die Dolomiten werfen. Das Wetter wurde auch immer schöner und die 20°C kamen so langsam in Reichweite…

Etappe 7: Die tat wohl am Meisten weh. Wer jetzt noch keine Schmerzen hatte hat geschummelt. Bei mir waren es die Knie und die rechte Achillessehne. Darum reihte ich mich auch das erste Mal in eine der Schlangen ein, um mir diverse Tapes an Knie und Versen anbringen zu lassen. Damit ging´s dann gleich viel einfacher über die knapp 42km und 2000 HM. Die konnten mich jetzt sowieso nicht mehr nervös machen….

Etappe 8: Auf nach Sexten! Mit einer atemberaubenden Schlussetappe ging es am letzten Tag nochmals vorbei an den Drei Zinnen.

Da ich immer noch gut drauf war und die Schmerzen irgendwohin verschwunden waren (jedenfalls die meiste Zeit) gönnte ich mir beim letzten Abstieg noch mal einen Downhillrun. Da kommt man sich dann vor wie ein junger Hüpfer. Wie so was bei mir ausschaut seht ihr hier!

Die letzten Kilometer kommt dann fast so was wie Schwermut auf. 8 wundervolle Tage finden ihr Ende und man kann sich gar nicht vorstellen am nächsten Tag nicht wieder Laufen zu sollen. Natürlich genießt man auch den Beifall von immer häufiger auftauchenden Fußgängern und Wanderern die dich mit ungläubigen Gesichtern und voller Bewunderung, meistens mit lachenden Gesichtern anschauen. Der ein oder Andere wird natürlich auch gedacht haben: „Die sind doch wohl völlig bekloppt“ aber das war uns ziemlich egal.

Im Ziel mit Petra; Judith und Stefan:

Was für eine Woche!!! Jedem der mal was ganz Besonderes erleben möchte kann ich den Gore-Tex Transalpinrun nur wärmstens empfehlen. Und man muss gar nicht so viel vorher trainieren wie man das erwarten würde. Einzige Grundvoraussetzung aus meiner Sicht ist eine gewisse Schwindelfreiheit. Der Rest ist machbar und wehtun wird`s sowieso, egal ob man schnell oder langsam unterwegs ist. Aber auch das gehört dazu. Für mich war das jedenfalls definitiv nicht der letzte Auftritt in den Bergen. Damit ende ich mal an dieser Stelle. Natürlich gäbe es noch jede Menge mehr zu berichten, von den Bildern des Tages, den Heroes of the day, den „Puschelboys“, Uta der „Chefin“, Gastläufern und und und. Wer das alles wissen möcht darf sich gern mit mir unterhalten, dann aber bitte live und in Farbe 🙂

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Geschafft….

Ich bin wieder da!!! Eine sensationelle Woche liegt hinter mir. Bericht folgt in den kommenden Tagen…. Geil war`s!