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Archiv für Januar, 2014

Ein Start ins neue Jahr der etwas anderen Art…

Ganz wie es sich für einen Asics Frontrunner gebührt, hatte ich mich kurzfristig entschlossen beim ersten Marathon des Jahres in Zürich/Schlieren an den Start zu gehen. Und wenn ein Veranstalter dieses Siegel sein Eigen nennen will, sollte es auch zeitig los gehen. Und so starteten bereits zum 10`ten Mal pünktlich um 00:00 Uhr am 01.01.2014 rund 180 Marathonis um die klassische Distanz von 42,195 km in Angriff zu nehmen.

Eine gezielte Vorbereitung hatte ich nicht, allerdings war ich in relativ guter Form für diese Jahreszeit. Wenn alles rund lief erhoffte ich mir einen Platz unter den Top 10 und eine Zeit von knapp unter 3 Stunden. Da gab es natürlich verschieden Unbekannte die dem Unterfangen einen Strich durch die Rechnung machen konnten. Nachts, nur mit Stirnlampe bewaffnet und bei Minusgraden… Schaun mer mal, dachte ich mir.

Die Motivation für solch ein Unterfangen hatte bei mir verschiedene Gründe. Einer davon war natürlich die Jahres Weltrang Bestenliste im Marathon. Einmal vor Äthiopien und Kenia, welcher Marathonläufer träumt nicht davon? Klar, nur für ein paar Tage, aber hey immerhin 🙂

So gegen 20:00 Uhr machte ich mich also auf Richtung Schlierener Sporthalle. Vom Hotel zum Bahnhof kamen mir dann die üblichen Feierwütigen entgegen und ich musste grinsen bei dem Gedanken an mein Unterfangen. Komisches Gefühl…

In der Halle dann ein ganz anderes Bild. Gedämpfte Stimmung, zahlreiche Läufer/innen beim Essen und ruhigen Gesprächen. Viele auch in sich selbst vertieft oder auf der Tribüne flach liegend und letzte Kräfte sammeln. Das tat ich dann auch in Ermangelung anderer Möglichkeiten.P1070349 Die Zeit zog sich aber irgendwann ließen sich die Zeiger nicht mehr aufhalten und der Jahreswechsel und somit der Start des 10`ten Neujahrsmarathon stand an.

Zum Rennen: Als Asics Frontrunner gab es für mich natürlich nur eine richtige Startposition: Erste Reihe! Die Temperatur betrug ziemlich genau 0°C und ich war dementsprechend eingepackt. So ging es also los und von Beginn an versuchte ich so zu Laufen wie ich dachte durchkommen zu können. Nach gut 4 km war ich dann Mutterseelenalleine und meine Stirnlampe verrichtete beste Dienste. Die Strecke war nämlich zum Einen stockfinster, und zum Anderen nicht gerade „schnell“. Soll heißen, der 4 Runden Kurs ging an einem Fluß entlang auf einem Schotterweg der schon mal auf und ab ging und, na klar, auch diverse Stolperfallen wie Bodenwellen oder Wurzelwerk enthielt. Außerdem durften wir über drei Fußgängerbrücken mit Holzbohlen die bei vereistem Nebel dementsprechenden Halt boten. Aber das war natürlich alles erst mal gar nicht so schlimm. Ausgeruht und motiviert rennt man halt wie man kann. Und so gingen die ersten 10 km auch unter 40 Min weg. Ich war mit mir und der Nacht zufrieden.

Dass das Ganze Happening spannender werden könnte, schwante mir dann so bei km 18. Irgendwie waren meine Oberschenkel und vor allem die Rückseite nicht ganz so entspannt wie sie sein sollten. Egal, gleich Halbzeit dachte ich und los. Als ich dann das zweite Mal durch die Sporthalle lief (Start und Ziel und „Feiermeile“) P1070344 hatte ich bei der Halbmarathonmarke rund 1:25 auf der Uhr. Ui a weng schnell dachte ich. Aber ihr kennt ja mittlerweile meinen Spruch „Schaun mer mal“.

Da erfuhr ich auch das erste Mal an welcher Position ich eigentlich lief: „Manfred Scherer aus Deutschland auf Platz 8“ tönte es aus den Lautsprechern in der Halle. Ich war mit mir zufrieden. Jetzt bloß nicht nachgeben und eins meiner Ziele war greifbar. Direkte Gegner sowohl nach vorne als auch nach hinten konnte man nicht ausmachen und so suchte ich mein Heil in der Flucht nach vorn. Also Brust raus Kopf hoch und Körperspannung halten. Ging dann auch. Sorgen machte ich mir allerdings um meine Verpflegung. Die Aufnahme von Wasser, Iso oder Gels stellte sich immer schwieriger dar. Meine Finger waren mittlerweile klamm und kalt und zu fast keiner kontrollierten Tätigkeit mehr im Stande. Ich fühlte mich zwar noch gut, wusste allerdings aus Erfahrung dass das ganz schnell kippen kann. Und so blieb ich dann ab km 25 bei jeder Verpflegungsstelle kurz stehen um die benötigte Energie zu tanken. Das zahlte sich aus. Meine km Splits gingen zwar auch nach unten, aber in Runde drei überholte ich zuerst den 7 Platzierten und dann auch noch den Sechsten. Platz Sechs also damit wäre ich mehr als zufrieden. Jetzt bloß nicht nachgeben.

Mein Körper war mittlerweile schon völlig im Eimer aber mein Kopf gewann einmal mehr die Oberhand. Eine Runde noch, ha lächerlich. Und schließlich gibt es zu Hause auch noch ein paar liebe Menschen die mir fest die Daumen drücken und auf mich zählen. Und so war die letzte Runde dann zwar ein Kampf aber selbst das Ende des Akkus meiner Stirnlampe, und der damit völlig in der Dunkelheit laufenden letzten 5 km, konnten mich nicht mehr aufhalten.

Nach 2:54:40 kam ich als 6`t schnellster Mann im Jahr 2014 ins Ziel und gewann sogar meine Altersklasse. Geil!!!

P1070357

Alles erreicht 2014 kann kommen. Solch einen Jahresbeginn vergisst man nicht. Ob ich meinen gewonnenen Freistart für 2015 in Anspruch nehme lass ich aber jetzt mal offen…

Keep on running Manni

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